Ziehzeit Teewissen

GABA Tee: 5 faszinierende Fakten zu Wirkung & Herstellung

GABA Tee

Viele Tees unterscheiden sich durch Herkunft oder Erntezeit. GABA Tee fällt jedoch besonders auf, weil er auf eine ungewöhnliche Weise hergestellt wird und Teeliebhabern ein völlig neues Geschmackserlebnis bietet.

Was genau ist GABA Tee?

Der Name steht für Gamma-Aminobuttersäure (GABA, aus dem Englischen: Gamma-Aminobutyric Acid). Dabei handelt es sich um eine natürlich vorkommende Verbindung, genauer gesagt um einen Neurotransmitter, der auch im menschlichen Nervensystem eine wichtige Rolle spielt. Bestimmte Methoden der Teeverarbeitung können den natürlichen GABA-Gehalt im Teeblatt deutlich erhöhen. Das Ergebnis ist ein Tee, der nicht nur technologisch anders produziert wird, sondern oft auch eine ganz eigene Textur und spürbare Eigenschaften besitzt.

Die Entdeckung: Ein glücklicher Zufall

Die Methode zur Herstellung dieses besonderen Tees wurde 1987 in Japan von Dr. Tsushida am Nationalen Forschungsinstitut für Tee entdeckt. Ursprünglich suchte er nach einer Methode, um geerntete Teeblätter länger haltbar zu machen. Dabei stellte er fest, dass sich Aminosäuren in den Blättern in GABA umwandelten, wenn sie sauerstofffrei gelagert wurden. Was als Experiment begann, entwickelte sich schnell zu einer geschätzten Spezialität, die später vor allem in Taiwan perfektioniert wurde.

Die Herstellung: Stickstoff statt Sauerstoff

Bei klassischem Oolong oder Schwarztee oxidieren die Blätter nach der Ernte durch den direkten Kontakt mit der Luft (Sauerstoff). Bei der Produktion von GABA Tee wird dieser Prozess gezielt verändert: Die frischen Teeblätter werden für eine bestimmte Zeit in eine sauerstofffreie, stickstoffangereicherte Umgebung gebracht. Durch diesen anaeroben Prozess verändert sich die chemische Zusammensetzung der Blätter massiv und der natürliche GABA-Gehalt steigt sprunghaft an. Heute wird dieser Tee meistens als Oolong verarbeitet, da die ohnehin komplexen Aromen dieser Teesorte besonders gut mit der neuen biochemischen Struktur harmonieren.

Die Wirkung: Warum ist der Tee so beliebt?

Neben dem spannenden Geschmack suchen viele Menschen ganz gezielt nach GABA Tee wegen seiner potenziellen Eigenschaften. Im menschlichen Gehirn wirkt Gamma-Aminobuttersäure als hemmender Neurotransmitter – das bedeutet, sie hilft dabei, die Reizübertragung zu verlangsamen. Auch wenn Tee ein Genussmittel und kein Medikament ist, berichten viele Teetrinker von einer ausgleichenden, erdenden und beruhigenden Wirkung. Er wird oft genutzt, um nach einem stressigen Arbeitstag herunterzufahren oder als Begleiter für eine entspannte Abendroutine, da die sanfte Wirkung des GABA oft die anregende Eigenschaft des im Tee enthaltenen Koffeins ausbalanciert.

Geschmack und Textur von GABA Tee

Wer zum ersten Mal einen hochwertigen GABA Tee probiert, ist oft überrascht. Diese Tees wirken im Mundgefühl oft weicher, voller und runder als vergleichbare klassische Tees. Häufig finden sich ausgeprägte Noten von dunklen Früchten, reifen Pflaumen, Karamell, Honig und eine warme, fast herbstliche Süße. Besonders auffällig ist die fast cremige oder sirupartige Textur, die den Gaumen auf eine sehr angenehme Weise belegt und für einen langen Nachklang (Hui Gan) sorgt.

GABA Tee Zubereitung: So holst du das Maximum heraus

Damit die komplexe Struktur eines GABA Tees voll zur Geltung kommt und sich die Aromen optimal entfalten, empfehlen wir Präzision bei den Parametern. So bereitest du ihn am besten zu:

  • Menge: 4 bis 5 Gramm Tee auf ca. 100 ml Wasser (wir empfehlen die traditionelle Gong Fu Methode).

  • Temperatur: 90 bis 95 Grad Celsius. Durch die spezielle Verarbeitung vertragen GABA Tees Hitze außerordentlich gut, ohne bitter zu werden.

  • Zeit: Starte mit kurzen Aufgüssen von ca. 10 bis 15 Sekunden. Bei jedem weiteren Aufguss kannst du die Ziehzeit langsam um 5 bis 10 Sekunden steigern. Dieser Tee ist sehr ergiebig und verträgt oft problemlos 5 bis 8 Aufgüsse.

Eine ungewöhnliche Kombination: GABA Da Hong Pao

Besonders spannend wird es für Teekenner, wenn traditionelle und weltberühmte Sorten wie der Da Hong Pao (ein Felsentee aus dem Wuyi Gebirge) mit dieser modernen Methode kombiniert werden. Klassischer Da Hong Pao ist oft tief mineralisch, holzig und stark geröstet. In der GABA-Variante entsteht ein absolut faszinierendes Zwischenspiel: Die typische steinige Mineralität trifft auf eine fruchtige Weichheit und eine ungewöhnliche Ruhe im Geschmack, die den Felsentee von einer ganz neuen, zugänglichen Seite zeigt.

Fazit zum GABA Tee

GABA Tee zeigt eindrucksvoll, wie stark die handwerkliche Verarbeitung den Charakter eines Tees verändern kann, ohne dass das Wesen der eigentlichen Pflanze dabei verloren geht. Es ist eine faszinierende und äußerst gelungene Verbindung aus traditionellem Handwerk und modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Egal, ob du auf der Suche nach einem neuen Geschmackserlebnis bist oder einen erdenden Begleiter für den Abend suchst – dieser Tee ist definitiv eine Entdeckung wert.

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